by exelektorleser » Sat Jul 02, 2011 12:00 am
Ich habe mir im Dezember den PCB Prototyper bestellt und nach fast einem halben Jahr habe ich dann das Paket mit der Maschine bekommen und bin maßlos enttäuscht. Ich kann nur sagen, dass diese Maschine und BESONDERS DIE SOFTWARE mit Vorsicht zu genießen ist.
Je mehr ich mich mit dem Profiler und den Artikeln dazu beschäftige umso mehr scheint Colinbus aus den Problemen mit dem Profiler nichts gelernt zu haben.
Der Maschine liegt einfach nur ein Faltblatt bei, welches auf eine Downloadressource verweist. Es gibt keine Lizenz oder so. Das ist schonmal toll und war bei mir auch notwendig. Denn so konnte ich die Software auf drei(!) verschiedenen Rechnern installieren um dann festestellen zu müssen, dass auf jedem OS die beobachteten Fehler auftreten!
Getestet habe ich unter Win7 x64, WinXP x86 und WinXP x86 in einer VM. Der Win7-Rechner hat nen i5 und 4GB RAM ohne, dass irgendein bremsender Mist im Hintergrund läuft (AV-Software oder so).
Der Gravurkopf muss kalibriert werden: Dafür wird der Kopf mit dem Fräser bestückt und die Gravurtiefe auf fast null geschraubt. Dann lässt man mit der Funktion "Mill test line" eine 2cm lange Linie Fräsen und misst nach, ob die gewünschte Gravurbreite erreicht wurde. Dann stellt man die Gravurtiefe nach und wiederholt das ganze bis die Gravurbreite passt.
Trotzdem immer wieder dieser nette Fehler:
Beim 1. Versuch: Motor legt los, Kopf senkt sich, zieht die Line, der Motor bleibt an und die Kommunikation zur Maschine bricht ab.
Beim 2. Versuch: Motor legt nicht(!) los, Kopf senkt sich und ritz mit dem stehenden Fräser eine Linie. Dann bricht wieder die Kommunikation ab. Da hilft nur Maschine aus und wieder an, Software beenden und wieder starten.
Mittlerweile habe ich das ganze auch mit einem sauberen gut isolierten und geschirmten Marken-USB-Kabel ausprobiert -> geht jedesmal schief.
Und das ist nicht alles. Die Software hat ein Unterprogramm in dem die Fräser und Bohrer verwaltet werden. Dort hinterlegt man die Angaben zu den Fräsern/Bohrern die man hat und selektiert sie jeweils als "Favorite". Das Programm sucht dann für die Platine das jeweilige Stück aus. Wenn ich das Verwaltungsprogramm öffne, schließe und wieder öffne, dann stürzt die Software ab.
Und zu guter letzt und am gravierendsten: Wenn man mit dem Bedienpanel am Bildschirm die Maschine zu schnell manuell steuert, dann fährt sie an den Anschlag, will darüber hinaus fahren (die Antriebe fangen an zu kreischen) und die Kommunikation bricht ab, während als aktuelle Position "-133333mm" am Panel angezeigt wird. Wohlgemerkt kann die Maschine nicht auf negative Position fahren, da alle Koordinaten von der Home-position positiv gezählz werden.
Wer auch das Teil hat, möge bitte seine Erfahrungen damit ebenfalls mal mitteilen, das interessiert mich sehr. Ganz besonders wie es sein kann das Elektor schreibt, dass sie das Teil "nicht mehr aus dem Labor wegdenken" können.
Etwas exotische Teile:
Es heißt zwar, dass die Aufnahme für Standard 1/8" ist, aber auch hier steckt der Teufel im Detail. Es müssen Stichel mit Stop-Ring sein. Die Aufnahme ist nämlich so blöd, dass der Stichel darin komplett versenkt weden kann. Um diesen aber immer in der selben Höhe einlegen zu können, braucht es eben die Stichel mit Stop-Ring.
Der Tisch hat zwei Noppen zur Aufnahme der Platine und zur gleichzeitigen Befestigung dafür. Deren Abstand ist genau 210mm. Da man aber als gängige Platinengröße nur 200 oder 300 Seitenbreite braucht und der Tisch nicht mehr als 220mm aufnehmen kann, muss man entweder jedesmal zurechtschneiden oder Platinenzuschnitt bestellen. Witzigerweise ist das Bild von der Elektorseite auf http://www.elektor.de/Uploads/2010/11/modelboard.jpg eines, das zeigt dass diese Befestigungsnasen zusammengeschoben wurden, so dass eine 200mm-Platine draufpasst.
Netterweise darf man sich bei Colinbus aber für schläppische 320€(netto) einen Minimalsatz Stichel und 10 zurechtgebohrte Boards bestellen.Wer nur 10 Platinen+Tape+Unterlage haben möchte, kann dass schon für 140EUR(netto) bestellen.
Irgendwie kriegt man das alles auch so hin, aber nervig ist es trotzdem.
Also:
Ich hoffe mal dass das alles nur SW-Probleme sind, wobei mich besonders wundert, warum die Steuerungsplatine an den Anschlägen nicht abschaltet. Die Steuerungsplatine ist aber wohl für FW-Updates vorbereitet und hat einen entsprechenden Taster.
Vielleicht wird das ja mal noch was, aber aktuell kann ich noch nicht einmal eine Aussage an Hand einer Testplatine treffen. z.B. über Genauigkeit und Qualität der Platinen.
Mein Hauptargument für die Maschine war die SMD-Fähigkeit und die 3D-Option. Bezugsmöglichkeiten für diese beworbene 3D-Option sind mir aber nicht bekannt. Und solange der PCB-Teil nicht geht, geb ich sicherlich nicht noch mehr für eine 3D-SW aus, bei der ein preAlpha-Stadium zu erwarten ist.
Wenns mal was wird, werde ich gerne hier darüber berichten, aber aktuell sieht es ziemlich mau aus.